Homepage des Ehemaligenvereins des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums Münster



  DER VEREIN

  KONTAKT

  IMPRESSUM
     


"Die Nacht, als die Mauer fiel"
Horst Hano(Abi57) sprach zu Schülern und Ehemaligen

Horst Hano (73) kam am 10. Dezember 2010 auf Einladung des Ehemaligenvereins des WHGs in seine alte Schule. Im neuen "Forum" unterhalb des früheren Erdkundesaals warteten nicht nur viele Ehemalige, sondern auch mehr als 50 Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Lehrer auf den früheren ARD-Korrespondenten. "Die Nacht, in der die Mauer fiel" hieß das Thema, und wer könnte besser darüber berichten, als ein Fernsehjournalist, der in jener geschichtsträchtigen Nacht vor Ort war? Rudolf Steingrube übernahm die Moderation des Abends.und stellte Fragen an den Gast und an die Zuhörer.
Horst Hano, wurde in Koblenz geboren. Nach dem Umzug der Eltern besuchte er zunächst in Sendenhorst die damalige Ausweichschule der "Schule am Wasserturm" (das spätere Wilhelm-Hittorf-Gymnasium) und machte 1957 in Münster sein Abitur. "Die Schulzeit habe ich in bester Erinnerung, denn der Spaß begann für uns Fahrschüler schon vor dem Unterricht", schmunzelt Horst Hano. Er sei ein durchschnittlicher Schüler gewesen, meint Horst Hanno. Im Deutschunterricht sei er aber immer gut gewesen und habe auf dem Abizeugnis sogar eine Eins gehabt. Naheliegendes Berufsziel: Schriftsteller oder Filmregisseur. Zunächst aber studierte er Geschichte in München und schloß mit der Promotion ab. Danach schickte er Bewerbungsschreiben an alle deutschen Rundfunk- und Fernsehanstalten, bekam aber nur vom Saarländischen Rundfunk eine Antwort mit der knappen Mitteilung, in den nächsten fünf Jahren werde niemand eingestellt. Dann klappte es aber doch: Horst Hano wurde Volontär beim Münchener Büro der "Tagesschau" und später Redakteur beim neuen Nachrichtenmagazin "Report", wo er unter anderem mit Hans Heigert und Dagobert Lindlau zusammenarbeitete. 1971 wechselte er zum Hamburger Fernsehmagazin "Panorama" und wurde schließlich 1974 ARD-Korespondent in Madrid. Dort erlebte er 1974 und 75 das Ende der Franco-Diktatur und die sogenannte "Nelkenrevolution" in Portugal aus nächster Nähe mit. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Hamburg wechselte Horst Hano als Korrespondent nach Skandinavien, eine Zeit, in die u.a die Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten Olaf Palme fiel. Im Sommer 1989 übernahm er die Stelle des ARD-Korrespondent in Ostberlin. Ein heikler Job, denn natürlich wurde Horst Hano von der Stasi überwacht, wie er später bei der Gauck-Behörde auf 300-Seiten nachlesen konnte. Am Tag des Mauerfalls, dem 9. November 1989, hatte er eigentlich frei und wollte nicht arbeiten. Horst Hano: „Ich sagte zu meinen Kollegen: Ich nehme mir heute frei und mache nichts. Ruft mich nicht an, es sei denn die Mauer fällt." Der Satz trug natürlich zur allgemeinen Erheiterung bei den Kollegen bei. Am Abend saß Horst Hano bei einem Glas Wein im Grand Hotel Unter den Linden, unweit seiner Wohnung. Plötzlich rief eine Kellnerin: "Det stimmt, det stimmt, wir können rüber! Det hamse jrade im Radio jesacht!" Hano sprang auf, eilte ans nächste Telefon und bestellte sein Kamerateam, das eine Viertelstunde später auf der Ostseite des Grenzübergangs Heinrich-Heine-Straße eintraf. Während das Team noch die Geräte auspackte, kamen schon die ersten Trabbis angetuckert. Horst Hano erinnert sich: "Wir filmten die Szenerie, machten Interviews, bis irgendwann zwischen 10 und 11 Uhr die Schlagbäume hochgingen und der Jubel keine Grenzen mehr kannte."
Reporterglück und Reporterpech lagen für Horst Hano in dieser Nacht eng beieinander. Das Glück: Er konnte in den ARD-"Tagesthemen" live vom Fall der Mauer berichten. Das Pech: Hajo Friedrichs kündigte den Beitrag von Horst Hano mit den Worten an "Die Tore in der Mauer stehen weit offen: Wir schalten jetzt direkt zu unserem Reporter Robin Lautenbach".

An den Vortrag von Horst Hano schloß sich eine "Publikums- runde" an, bei der besonders die Schülerinnen und Schüler aus den Oberstufenklassen zu Worte kamen. In der Diskussion wurde deutlich, dass für die anwesenden Schüler, die alle erst nach dem Mauerfall geboren wurden, dies Kapitel der deutschen Geschichte wirklich schon "Geschichte" ist.

Fotos. WP